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Freitag, 23. September 2016

Über Bitterkeit

  1.  "Drei Monate sind eine lange Zeit, etwas zu vermissen", sagt sie. Drei Monate sind auch eine lange Zeit, ein Geheimnis in einem Rucksack hinter sich her zu tragen. Sicherlich wäre sie die Eine, die sie findet und aufdeckt.
    "Sie sind so strukturiert wie sie schön sein", führt sie weiter auf. Vielleicht sind sie das auch, doch krank macht es mich trotzdem.

  2.  Wenn man geliebt wird, macht es auch Sinn, diese Liebe zu behalten. Schwierig macht es lediglich die Art und Intensität der Liebe.
    Jetzt kann ich nicht anders als mir vor zu stellen, wie er Atem auf dich spuckt während er versucht ein zu schlafen. Es ist einfach nicht richtig. Denn das Traurigste daran ist nicht, dass ich ihn gern habe, sondern weil ich wütend bin, dass ich ihn nicht haben kann. Nur zwanzig Minuten von dieser dick-gelippten Würde fallen von meinen Rippen.
    Hoffentlich blähen seine Atemzüge durch deinen Mund und fangen etwas Schreckliches. Ich hasse euch Beide. Ich hasse euch. Ich hasse euch. Ich hasse euch. Selbst der Punkt ist schon zu viel.
     
  3. Es ist wahr, dass ich Gott in dir gefunden habe. Es ist wahr, dass ich weine, wenn du deine Hand erhebst. Es ist wahr, dass ich Augen habe, die für das brechen, das dich bricht. Ob es allerdings wahr ist, dass ich ihn wieder von dir trennen kann, weiß ich nicht. Doch deine Essenz werde ich von mir kratzen, mit bloßen Fingernägeln - unter meinen Augen hervor, aus meinen Zähnen heraus.
    Ich schwöre, dass ich dies würde.

  4. Traurig ist es, wenn Menschen, die sich lieben, voneinander getrennt werden und sich doch nie vergessen können. (Wie kannst du sie nur so anschauen und dabei lächeln?) Innerlich versuche ich zu erraten wie oft er dich geküsst hat. Eigentlich würde ich mich lieber für euch freuen, doch ich hasse euch und mein Herz bricht.
    "Man, ich weiß doch auch, dass es Scheiße ist", gibt sie tränenerstickt zu. Sie redet davon, dass sie nachts das gemeinsame Schlafzimmer verlässt, um heimlich bei diesem anderen Mann an zu rufen. So oft fragte sie ihn, ob er nicht bei offenem Fenster schlafen können, doch es folgen nur verschwiegene Sekunden und ein leises, nicht-überzeugendes 'Nein'. Daraufhin sagt sie nur 'Gut, vielleicht ein anderes Mal', legt auf und schleicht sich zurück ins Bett.
    Zwölf Stunden danach erwische ich sie dabei, wie sie an der falschen Türschwelle steht.

  5. Gerne würde ich dieses Eis genießen, doch der Parkplatz starrt mich an. Die Menschen hier haben größtenteils auch für eine Woche kaum geschlafen, oder zwei. Keiner sieht den anderen an.
    Es ist ein Ort, an dem man nur angeschaut wird, um bewertet zu werden. Trägst du nicht die richtige Kleidung oder das passende Schuhwerk, gehörst du in die Kategorie Untermensch. 1,60 Euro für eine Kugel Eis - pah, das ich nicht lache. Wo bleibt da die Poesie?
    Mit ihm wäre ich trotzdem gerne hier.
     
  6. Bei der letzten, allerletzen  Gelegenheit ihm in die Augen zu schauen, konnte ich mein Gesicht nicht heben. Es war keine Wut, keine Enttäuschung, keine Scham. Es war Schande. Irgendetwas babbelte ich von "Es tut mir leid" und schaute gen Boden. Ein heiseres Lachen und ein "Du findest gewiss jemanden" gab er als - weniger befleckte - Erwiderung.
    Gewissenhaft prägte ich mir die Linien auf seinen Händen ein, die kleinen Fältchen auf seinem Gesicht, nur seine Stimme hatte ich tatsächlich bereits wieder vergessen.

  7. In einer pittoresken Welt wäre mein Weinen etwas hübscher. Wie in Filmen, in denen der Figur ein paar falsche Tränen über die Wangen gleiten bis jemand diese von ihren Lippen küsst.
    Eigentlich schmecken sie auch nur salzig, mineralisch fast; doch ich schmecke deine letzten Blicke und Gott.
    Gott weil Gott verdammt, was nicht in seinen Kreisen haust. Gottverdammt. Gottverdammt. Besonders schwermütig macht es mich, dass ich nicht nur wie meine Mutter bin, sondern immer mehr wie sie werde. Während sie langsam besser wurde, übernahm ich ihre Ungleichheiten und Unausgeglichenheiten. Ich will sie nicht, oder meine Gedanken, oder dieses ewige Karussell - ich möchte lieber woanders sein, jemand anders sein - mit dir -, jemand anders sein als dieses FrauKindGemisch mit Zitronenknochen und Baumwollzunge. Renn' mit mir. Lauf mit mir fort, bitte.

  8. "Man ist von der Gnade des Hebels abhänging, wenn man ein Glücksspielautomat ist", sagte ich noch vor ein paar Wochen zu ihm. Er wusste genau, was ich meinte. Das wusste er im Prinzip immer. In der selben  Geschwindigkeit, in der er Münzen in meine Ohren warf, legte ich welche auf seine Augen.
    Ob es von irgendeiner Form Wichtigkeit für ihn war, wollte ich wissen. Aber ich bin nunmal keine Maschine.

  9. Geliebt habe ich ihn nicht. Das soll er sich auch bloß nicht einbilden. Und du - und du - bist sicherlich nicht klüger, hübscher, begabter, besser anpassungsfähiger als ich. Aus diesem Grund allein ignoriere ich alle Nachrichten und Kontaktaufnahmeversuche, wenn das überhaupt ein Wort ist. Als rechtsfähiger Bürger dieses Staates ist mir das Recht gegeben, zu behaupten, dass ich eine Person bin. Das war ich schon bevor ihr passiert seid. Ruiniert hast du mich nicht, auch nicht kaputt gemacht oder klein gekriegt. Deine Lügen.... Deine Betrügerei... deine Beschönigungen und Belustigungen auf meine Kosten... es bedeutet mir nichts. Gar nichts! Ha! Genauso wie er es hasst, sich verliebt zu haben, hasse ich ihn.

  10. Und doch - und dies sage ich in der kleinlautesten Stimme, die ich aufbringen kann, fühlt es sich so an als hätte ich verloren...

Donnerstag, 22. September 2016

Realisation

Das Widerwärtigste an einer Liebe,
die lediglich den Hals und nicht
das Herz füllt,
ist die Dunkelheit und die Einsamkeit,
die urplötzlich
doppelt so resonant, doppelt so unüberwindbar
erscheint.
Wenn meine Liebe frisst.
hungert der Rest.

Mittwoch, 21. September 2016

Tagebuchgelüster 21.10.2005. - Die Rückeite von Papas Hand

(Geschrieben  12.10.2005)

Die Rückseite von Papas Hand
ist warm
von Ärger und Frustration.
Nur wenn er so wütend ist,
bricht ein Sturm herbei.

Die Rückseite von Papas Hand
ist kalt
von Hass und Ekel.
Nur wenn ich nicht das tue, was ich soll,
obgleich ich immer das tue, was ich muss.

Die Rückseite von Papas Hand
ist hart
von den Lehren des Lebens.
Er und sie treffen oft unvorbereitet,
getroffen wird aber immer.

Die Rückseite von Papas Hand
ist schmerzerfüllt
von Erinnerungen, die er zu vergessen versucht.



In seinen Augen liegt schwarze Balken
zerbrochener Seelenstücke.



Die Rückseite von Papas Hand
ist taub.
Müde, vielleicht; vom Werfen,
vom Ausholen, vom Aufprallen.
Gib, gib und nimm schon -
vorbei geht das nie.

Dienstag, 20. September 2016

Dero Gnaden

Seine Finger sind aus ihrem Zweck heraus gewachsen:
Tippen ausdrucklose, unaufhörliche Rhythmen
unterhalb der Tischfläche.
Er ist die Art Mensch, die höhere Mächte nicht brauch,
abgesehen von Wundern in stehengebliebenen Aufzügen,
oder beim Ringen um Worte.
Beim Versuch atmosphärischen Druck ab zu werfen,
sucht er lediglich nach einem Ort,
an dem er den Sturm überstehen kann.
Mit warmen Händen und Würde,
von der niemans weiß, woher sie eigentlich stammt;
Wie ist er hier her gekommen
und hat noch so viel Selbstsinn, um diesen
Schmerz zu überstehen?
Anmutig verwechselt er Stille mit Gunst.
Was sehr gefährlich ist, naiv sowieso.
Hier ist das Herz leise,
nur der Körper sinkt.

Montag, 19. September 2016

Konflikte


I.
Ich möchte dir nicht
sagen müssen, dass es mir
Leid
tut,
nicht schon wieder.
Es ist eben schwer,
an manchen Tagen.
Es ist eben unerträglich,
an den anderen.
Kann es nicht abschütteln,
dieses Gefühl,
niemals
gut genug
sein zu können.

Lauf.

Siehst du - irgendwo da draußen
suchen Vögel nach Nestern
und finden sie in den Brustkörben
verlorener Seele.
Doch ich bin müde davon,
Strohhalme aus meinem Herzen zu ziehen
und Fäden so eng um meine Finger
zu binden, dass sie nach
Nichts
mehr greifen können.

[Gut, manchmal ist es ziemlich einsam.
Doch erzählen wollte ich dir das nie.]
Flieh.

-- müde davon immer nur das
Leere
Nest zu sein,
von dem nichts nach außen gelangt,
in dem nichts wächst.

                    [Und ich sehne mich nach mehr, möchte mehr,
                                doch Grenzen beeinflussen mich.]
                                                                                                                                                  Haub ab.



II.
Du konntest mir dein Leben nicht beschreiben.
Meine kläglichen Erklärungen
trafen auf taube Ohre.
Ein Baum, der Flaschen sammelt;
gefüllt mit Farben, die betrunkene Hippies
hinein füllten.
Sofern die Sonne scheint,
ist alles in Ordnung.
Doch das Gewitter ist es,
der Sturm, das Getose, der Regen -
totes Gewicht
an morschen Ästen.
Menschen wollen eben, was sie wollen.
[Ich will mehr]
 Auch wenn Laufen eine Aufgabe ist,
oder reden eine Pflicht -
denn Gedanken und Gelerntes knien
auf der Wirbelsäule,
flüstern in das Ohr.

[Ich ertrinke]
Atme (nicht weiter).





III.
Wahrscheinlich schreibe ich
aus diesem Grund
Mitternachts-Poesie,
schwarzer Kaffee und zuckriges Gebäck.
[Ich will nicht schlafen,
gleich gar nicht träumen]
Kalte Luft strömt durch
warme Decken.
Die Art Worte,
die aus meinem Mund kriechen,
wenn ich mich am
ge borgen sten fühle.
                             [Allein.]
Das Problem in diesen Stimmungen sind die verdammten Vögel,
die jederzeit mit einher gehen.
Ich denke, wenn ich

nur schlafen, schlafen, 
schlafen würde, 
könnten sie endlich ihr Nest 
bauen.

Das wäre besser, nicht wahr?

[Habe schon viel zu lange
in der Nacht gewartet.
Eigentlich wollte ich dir das
niemals 
sagen, 
doch in letzter Zeit 
fühle ich mich unglaublich




allein]